Mittwoch, 29. Februar 2012

Vegane Ernährung ≠ Mangelerscheinungen

Wenn man sich mit anderen Menschen über vegane Ernährung unterhält, werden oft Bedenken geäußert, dass dadurch doch sicherlich Mangelerscheinungen auftreten würden. Ich muss zugeben, ich hatte auch so meine Bedenken, bevor ich umgestellt habe, zumal ich schon als Omni mit diversen Mangelerscheinungen zu kämpfen hatte. 
Eisenmangel hatte ich schon immer, ich bin eben eine Frau, da kommt man offenbar schwer drumherum, zumal ich nie viel Fleisch gegessen habe und auch sonstige eisenreiche Nahrungsmittel nicht gerade auf meiner Favoritenliste standen.
Als dann vor einigen Jahren mein Morbus Crohn ausbrach, haben sich noch diverse andere Mangelerscheinungen im fröhlichen Wechsel und mit unterschiedlich starker Ausprägung hinzugesellt. Durch den MC kann mein Körper gewisse Nährstoffe eben manchmal nicht so verarbeiten, wie er sollte oder weist sie einfach weit von sich, ergo kenne ich mich ziemlich gut mit diversen Mängeln und ihren Begleiterscheinungen aus und hatte natürlich Angst, dies könnte sich durch die Umstellung auf vegane Ernährung verschlimmern. Aber ich wollte es wenigstens probieren und dachte mir, falls es gesundheitlich nicht drin ist, muss ich eben ggfs. meine Ernährung wieder anpassen.
Das Gute ist, dass ich durch den Crohn natürlich eine sehr regelmäßige Kontrolle meiner Blutwerte habe und dadurch das Spektakel und die Zusammenhänge sehr genau beobachten konnte.

Und nun kommen wir zum springenden Punkt - was ist passiert mit meinen Blutwerten?

Wie gesagt, ich hatte schon vor meiner Umstellung diverse Mangelerscheinungen und rechnete ehrlich gesagt mit einer Verschlecherterung der Blutwerte durch die Umstellung. Das Gegenteil war der Fall: Ich hatte die besten Blutwerte aller Zeiten, alle Werte waren im grünen Bereich, einzig das Eisen war noch grottig, aber für meine Verhältnisse auch schon ganz gut. Das war die erste Kontrolle, da hatte ich den November in vegan hinter mir, den Dezember mit ziemlich vielen Ausnahmen und den halben Januar in vegan. Insofern hätte man denken können, es wäre vielleicht Zufall gewesen und ich habe die Verbesserung auch nicht mit der Ernährungsumstellung in Verbindung gebracht, sondern hatte mehr so den Gedanken, dass es vielleicht Reserven von der Völlerei über die Feiertage wären und deswegen die Blutwerte soweit in Ordnung waren, aber bei der neuerlichen Untersuchung jetzt war ich mir recht sicher, dass sich die Werte wieder verschlechtert hätten und die vielbeschworenen Mangelerscheinungen der Veganer da sein müssten.

Pustekuchen! Als ich heute die Werte bekam, waren alle perfekt - bis auf das Eisen, das war ZU HOCH! Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie zuviel Eisen, ich dachte erst, die Frau hätte sich vertan, aber es stimmte! Ich finde es so geil, ausgerechnet durch die vegane Ernährung habe ich das erste Mal in meinem Leben genug bzw. sogar zuviel Eisen und alle anderen Werte im Lot.

Wie gesagt, ich habe da jahrelange Vergleichswerte und ich hatte noch nie so gute Werte, ich bin wirklich total baff und hätte nie damit gerechnet, weil man (ich) irgendwie schon von den Geschichten beeinflusst wird, dass man doch irgendwelche Mängel bekommen muss. Stattdessen genau das Gegenteil und damit eine weitere Bestätigung für mich, dass es der richtige Weg ist. :)

Und wo wir gerade beim Thema sind... bevor ich mit der veganen Ernährung begonnen habe, hat mich mein Körper immer extrem gequält während meiner Regel und ich auch gleichzeitig meine Mitmenschen mit meinen Launen, ich war da bisweilen wirklich derbst ein Sklave meiner Hormone. Die Zeiten sind auch vorbei, Kopfschmerzen und Stimmungstiefs haben sich mit der alten Ernährung verabschiedet.

Ich habe mich heute so gefreut über die guten Werte, dass ich das unbedingt mit Euch teilen wollte und dachte mir, dass es vielleicht auch den ein oder anderen ermutigen könnte, der eventuell noch vor der veganen Ernährung zurückschreckt wegen Bedenken bezüglich Mangelerscheinungen. 

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Vielleicht noch abschließend für alle, denen Morbus Crohn nicht so geläufig ist und die hier mit einem dicken Fragezeichen über dem Kopf sitzen: Es handelt sich dabei um eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, deren Auslöser man noch nicht genau kennt, aber inzwischen hat man u.a. den Verzehr des Fleisches von kranken Rindern im Verdacht (Siehe Blogbeitrag hier zur Paratuberculose bei Rindern). Ich bin also nicht ansteckend. ;-) Glücklicherweise habe ich auch ein recht friedliches Exemplar erwischt, meiner macht eigentlich nur Probleme bzw. meldet sich zu Wort, wenn ich unter extremen emotionalen Stress stehe, ansonsten habe ich weitestgehend meine Ruhe. D.h. bisher hatte ich nur zweimal einen Schub, das erste Mal beim Ausbruch, wo vermutlich alles halb so schlimm gewesen wäre, wenn mal ein Arzt erkannt hätte, was ich habe und damals stand ich extrem unter "Stress", weil kurz zuvor meine Oma gestorben war, der ich sehr nahestand und es dann einem anderen mir sehr nahe stehenden Familienmitglied gesundheitlich ebenfalls extrem schlecht ging und ich mir große Sorgen machte.
Als das überstanden war hatte ich jahrelang Ruhe, bis ich vorletzten Herbst durch eine Trennung und Unistress nochmal einen ziemlich üblen Schub bekam.
Aber wie gesagt, an sich ist das (zumindest bei mir) eine ziemlich harmlose Sache, von der ich die meiste Zeit nichts merke und mit der es sich problemlos leben lässt. Und außerdem ist der Crohn altersmilde, d.h. mit zunehmendem Alter zieht er sich mehr und mehr zurück und irgendwann merkt man gar nichts mehr davon.

Kommentare:

  1. Mir gings ähnlich, vor allem auf die Eisenwerte bezogen: Ich hatte immer Eisenmangel, schon als fleischessendes Kind.
    Die ganzen Symptome waren mit meiner Umstellung auf vegan plötzlich weg. As ich dann letztes Jahr das erste Mal bibbernd zum Buttest gegangen bin, hat mir der Arzt sonstwas prophezeit, vor allem aber Eisenmangel, auf meinen Einwand hin, dass ich das nicht glaube, dass ich den hätte, meinte er: "Veganer ohne Eisenmangel gibt es nicht", als ich am nächsten Tag bei der Blutabnahme saß, kam er zufällig rein und meinte "mit Namen hab ichs ja nicht so, aber Sie sind doch die Veganerin ohne Eisenmangel"...

    als dann kurz darauf das Ergebnis kam, ist er fast vom Stuhl gefallen: "Lehrbuchwerte" hat er geschwärmt, selbst das Eisen wäre im Normbereich (und das obwohl die Blutabnahme einen Tag nach meiner Periode war), für die Cholesterinwerte würde mich ein Herzspezialist anbeten und meine Leberwerte wären die eines Kleinkindes.

    tja. sag ich da nur ;)

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    1. Hey, das ist ja genial! Ich hätte gerne das Gesicht von deinem Arzt gesehen. ;)
      Ich habe meinem noch gar nichts von meiner Ernährungsumstellung gesagt, weil ich mir die Diskussionen im Vorfeld ersparen wollte...

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    2. Ich muss sagen, dass ich da durchaus auch positive Erfahrungen gemacht habe. Mein Gynäkologe zB ist selbst nicht mal ansatzweise Vegetarier, kennt aber einige und meinte, dass er durch eigene Erfahrungen nicht bestätigen könne, dass da vermehrt Mangelerscheinungen auftreten, im Gegenteil, er kenne nur gesunde Vegetarier und Veganer.
      Dem steht aber lange nicht jeder so aufgeschlossen gegenüber, spätestens durch einen Bluttest konnte im mich aber immer auf "naja, generell ist das vielleicht nicht so gesund, aber so wie Sie das machen ist das gut" einigen.

      Ich drück dir auf alle Fälle Daumen, dass dein Arzt das so akzeptiert. Irgendwann wirst dus ihm ja notgedrungen mitteilen müssen ;)

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    3. Oh, toller Gyn! :)
      Ich glaube, mein Arzt stünde der Sache gar nicht mal negativ gegenüber, eigentlich ist er recht offen was sowas angeht. Hatte mal "Anständig essen" von Karen Duve dort gelesen und da hatte er mich drauf angesprochen und wir haben uns über verschiedene Ernährungsweisen unterhalten, dabei machte er nicht den Eindruck, als hätte er irgendwelche dämlichen Vorurteile. Aber da es bisher noch nicht wirklich relevant war, habe ich es noch für mich behalten mit meiner Ernährungsumstellung.

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    4. Hallo Kate,
      Ich bin überrascht und 'froh' jemanden zu finden der - grnau wie ich - morbus crohn hat und sich vegan ernährt. Seit Januar 012 ernähre ich mich vegan (und bio). Habe seit 5 Jahren mc, bin jetzt bald 21. Wenn es nicht zu privat ist: nimmst du den zZ Medikamente? Ich hatte auch bisher nur 1 etwas schlimmeren Schub, habe bis vor 3 Monaten aber auch noch Medikamente genommen. Und dein Bauch kommt mit den bielen Ballaststoffen gut zurecht? Wochenweise grummelt meiner ziemlich herum, aber ich hoffe bisher es ist kein Anfang eines Schubs.. Hoffe die Fragen sind dir nicht zu privat,

      Liebe Grüße, Lisa

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    5. Hallo Lisa,
      nein, mir ist das nicht zu privat, keine Sorge. :) Ich denke, es ist vielleicht auch ganz gut für andere MCler, wenn sie paar Infos finden. :)
      Also ich bekomme alle zwei Monate eine Remicade-Infusion, ansonsten muss ich nichts nehmen. War zeitweise auch ganz ohne Medis, aber dann habe ich nach ca. 2 Jahren Ruhe einen Schub bekommen und seitdem ist wieder Remicade angesagt. Damit habe ich aber auch weitestgehend Ruhe, zumindest was den Bauch angeht, manchmal macht sich der Crohn schon bemerkbar, aber dann eher auf anderen Ebenen, glücklicherweise aber alles recht harmlos und gut im Griff im Vergleich zu dem, was ich bei anderen mitbekomme.
      Was das Essen angeht habe ich dankenswerterweise so gut wie gar keine Probleme, hatte ich auch nie, außer als der Crohn damals ausgebrochen ist und erstmal nicht erkannt wurde, da konnte ich irgendwann selbst Wasser nur noch unter größten Qualen trinken. :(
      Aber an sich ist das sonst zum Glück echt kein Thema bei mir, ich kann essen und trinken was ich will und habe echt selten Ärger mit meinem Bauch, es gibt nur ein paar wenige Dinge, die ich nicht sonderlich gut vertrage und wo mir dann manchmal kurz schlecht wird oder mein Bauch ein bisschen grummelt, aber das ist nicht der Rede wert und glücklicherweise mag ich das meiste davon nichtmal besonders. Das Einzige, was mein Crohn so gar nicht leiden kann sind Bananen, die noch zu grün sind, zu viele rohe Möhren (müssen aber wirklich schon viele am Stück sein) oder auch schon geringe Mengen gegarte Möhren, die in irgendeiner Form Zitronensaft begegnet sind, dann noch staubtrockenen, sauren Weißwein in größeren Mengen und bei zu vielen Pfifferlingen gibt es auch manchmal Ärger, die sind aber auch das einzige aus der Liste, was ich gerne mag. Das geht aber auch, 2 Stunden Bauchweh und dann ist gut, 2-3 Mal gönn ich sie mir dann trotzdem immer in der Saison. ;)

      Ich drück dir die Daumen, dass sich kein Schub ankündigt, aber bissl Grummeln kann ja immer mal sein.

      Liebe Grüße
      Kate

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  2. Hallo,

    darf ich mir eine Frage erlauben? Ich habe vor 2 Wochen auf vegan umgestellt und mit meinem Crohn gehts auf und ab. Kann es eine Art erstverschlimmerung durch die Ernährungsumstellung geben? Davor war der Crohn recht ruhig. Naja, ich mein, der Körper muß sich umstellen, die alten Lasten los werden. Ich will das schon gern durch halten, weil ich so viel gelesen hab...
    Besten Dank!

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    1. Hallo,
      klar darfst du fragen. :) Jederzeit gerne, falls irgendwas aufkommt.
      Also bei mir gab es keine Erstverschlimmerung, aber ich könnte mir das durchaus vorstellen, dass sowas möglich ist. Zu der Zeit als ich umgestellt habe, war ich allerdings auch richtig fett in Behandlung, weil ich ein paar Monate zuvor einen richtig derben Schub hatte. Relativ bald nach der Umstellung war es aber so gut, dass ich sogar Aza absetzen konnte und es bis heute nicht mehr dazunehmen musste, ich bin stabil mit der derzeitigen reduzierten Medikation. Und meine Blutwerte haben sich sogar noch weiter verbessert, soweit möglich bzw. konstant gehalten. Einziges Problem war der Zinkmangel, der mich irgendwann ereilt hat, aber sonst ist alles super.
      Also ich denke schon, dass sich das Durchhalten lohnt, es sei denn, dein Crohn hat ausgerechnet was gegen vegane Ernährung und mag nur Milchprodukte und Fleisch oder sowas, aber das wollen wir mal nicht hoffen. Ich drück dir die Daumen und bei Fragen melde dich gerne, falls zu viele Details um es öffentlich zu schreiben, darfst du mir auch gerne eine Mail schreiben.
      LG
      Kate

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